HLW FW Kufstein

„Journalismus hautnah“: Von der Video-Theorie zur Praxis

ORF Tirol-Redakteur Benedikt Kapferer in der HLW über das Eimaleins im Job

Im Rahmen des Tiroler Kulturservice war Mag. Benedikt Kapferer, Redakteur beim ORF-Landesstudio Tirol, zu Gast an der HLW. Hautnah und mit Praxisbeispielen gespickt, zeigte er 20 Schüler:innen der AK-Kommunikation (1. Klasse KOMD) und MID-Video (4. Klasse HLW MEDIEN) den „Job“ als Journalist – und sorgte mit einfachen Beispielen für manches „A-ha“-Erlebnis.

Oh, wie viele Ws?
Ein Komik-Video im Grönländischen Eis, auf dem US-Präsident Donald Trump von einem Eisbären gejagt wird. Oder Weltfußballer Ronaldo mit Messi beim gemeinsamen Kochen am offenen Herd – das war der journalistische „Einstieg“ von ORF-Video-Profi Benedikt Kapferer. Deep fake: So leicht zu denken, visuell so leicht umzusetzen. Viele Fallstricke, die JournalistInnen in der medial rasend schnellen Zeit gestellt werden. Begriffe wie „Check/Re-Chek und Double Check“, die essenziellen „Fünf Ws“ (Wer, was, wo, wann, warum) sind im Alltag ständig umzusetzen. Eine kurze Nachricht, erstellt aus dem Unfallbericht der Polizei, brachte die W-Frage auf den Punkt.

Spannend auch die Aufgabe: „Bringt die Erzählung von Hänsel und Gretel“ mit den fünf Ws in einen Kurzbericht.

Klasse denkt links und rechts
Einfach wie einprägend die weitere Übung: Die Hälfte der Klasse blickt nach links, die andere rechts – beide beschreiben ihre Wahrnehmung einer Seite, eines Gegenstands. So stellte ORF-Journalist Kapferer die Wahrnehmung der jeweiligen Sichtweise plakativ dar, wir brachten sie in einem „Fünfzeiler“ zu Papier. „Wichtig als Redakteur ist es, immer verschiedenste Punkte zu betrachten und mit in das Berichtenswerte einzubringen“, so sein Credo. Also: Alle Seiten einbinden, nie etwas absolut sehen. Sein praktisches Beispiel war jüngst auch ein Bericht zum aktuellen Thema „Kürzung des Latein-Unterrichts“. Aufnahme und Interviews haben 40 Minuten gedauert, er musste den TV-Bericht geschnitten und besprochen auf drei Minuten Sendezeit „bringen“.

Reels als Renner
Sogenannte „Reels“, also kurze und unterhaltsame Videos, finden seit Jahren schon eine riesige Anhängerschaft. Auch der ORF arbeitet intensiv mit zugespielten, maximal 15sekündigen Kurzvideos. Als Beispiel war der Besucheransturm auf den Pitztaler Gletscher am ersten Skitag der Saison – 1,1 Millionen Zugriffe (!). Ein weiterer Renner die große Nachfrage nach Lernplätzen an der Uni-Bibliothek Innsbruck: Ein Beitrag mit mehreren Kurzschnitten, wenigen Interviews.

Video zum Thema „Social Media-Altersgrenze“
Die Zeit – zwei Unterrichtsstunden – wurde knapp. Höhepunkt bildete ein selbst via Handy aufgenommenes Video mit Original-Tönen (also Kurz-Interview) zum Thema Für und Wider „Social Media“-Altersgrenze. LehrerInnen an der Schule standen uns dankenswerterweise als Interviewte zur Verfügung. Nach der Rohaufnahme „schnitten“ wir die Sequenzen zu einem (halb)fertigen Beitrag. Per QR-Code landete er am Beamer, in der Kurzbesprechung gab sich unser Vortragender sehr zufrieden.

Schnell war der Vortrag verflogen und vorbei. Wie im richtigen „Journalistenleben“… (Roland Mühlanger)

Mag. Benedikt Kapferer

Zur Person: Mag. Benedikt Kapferer.

Studierte Englisch und Geschichte/Politische Bildung (Lehramt), Auslandssemester in Birmingham (GB), wissenschaftliche Tätigkeit am Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck. Zusatzausbildung Medienpädagogik, danach Lehrgang der Tiroler Journalismusakademie. Autor „Geschichte des Rundfunks in Tirol“ und Journalist des ORF Landesstudio Tirol. Mehr auf benediktkapferer.at